Content:

test

Dicher | Lastyear | Protre

Die verlorenen Jahre [Bearbeiten]

Über die etwa acht Jahre 1584/85 bis 1592, die in der Shakespeare-Forschung als „verlorene Jahre“[6] bezeichnet werden, ist wenig bekannt. Mangels ausreichender Quellen sind umso mehr Legenden entstanden, die sich zum Teil auf von Zeitgenossen überlieferte Anekdoten zurückführen lassen.

Das erste schriftliche Dokument, das belegt, dass Shakespeare sich in London aufhielt, stammt von dem Dichter Robert Greene, der ihn 1592 in einem Pamphlet als Emporkömmling diffamierte, der sich Dinge anmaßte, die ihm nicht zustünden, da er ja nicht wie die angesehenen Dichter seiner Zeit seine Kunst an der Universität gelernt habe: „there is an upstart Crow, beautified with our feathers, that with his Tygers hart wrapt in a Players hide, supposes he is as well able to bombast out a blanke verse as the best of you: and beeing an absolute Johannes fac totum, is in his owne conceit the onely Shake-scene in a countrey“.[7] (Denn es gibt eine emporgekommene Krähe, fein herausgeputzt mit unseren Federn, die mit ihrem Tigerherz, in einem Schauspielergewand versteckt, meint, Blankverse ausschütten zu können wie die Besten von euch; und als ein absoluter Hans-Dampf-in-allen-Gassen kommt er sich als der einzige Theater-Erschütterer im Land vor). Der Ausdruck Shake-Scene ist dabei offensichtlich ein Wortspiel mit dem Namen Shakespeare.

Dieses Pamphlet wurde nach dem Tode Greenes veröffentlicht, und der Herausgeber fügte gleich eine Entschuldigung bei, woraus man schließen kann, dass Shakespeare bereits bekannt, vielleicht sogar populär war und einflussreiche Gönner hatte. Er war zu dieser Zeit bereits Mitglied der Truppe Lord Strange’s Men, die sich ab 1594 Lord Chamberlain's Men nannte; Shakespeares Schauspieltruppe war eine der führenden des elisabethanischen London. Kurz nach seiner Thronbesteigung machte Jakob I. sie als King’s Men zu seiner eigenen.

Stückeschreiber und Schauspieler [Bearbeiten]

Erstes unter dem Namen William Shakespeare erschienenes Werk,1593

Shakespeare arbeitete als Schauspieler in kleineren Rollen und schrieb Schauspiele für seine Theatertruppe, an der er Teilhaber war. Seine Stücke waren offensichtlich sehr erfolgreich, wie die Tagebuchaufzeichnungen des Theaterunternehmers Philip Henslowe belegen.

Shakespeare war allerdings nur einer von etlichen elisabethanischen Stückeschreibern; sein größter Konkurrent war zunächst Christopher Marlowe, später Ben Jonson. Es war durchaus üblich, ältere Stücke umzuschreiben und wieder neu aufzuführen; Shakespeares Hamlet ist vermutlich eine Adaption eines älteren Stückes, des so genannten Ur-Hamlet. Oder man verarbeitete Sagen und Märchen zu Dramen, wie etwa König Lear. Stücke entstanden auch nach gedruckten Quellen, etwa italienischen Novellensammlungen oder Chroniken. Eine ebenfalls gängige Methode war, von erfolgreichen Stücken Fortsetzungen zu schreiben. So war die Figur des Falstaff in Heinrich IV. so populär, dass ihn Shakespeare in Die lustigen Weiber von Windsor wieder aufleben ließ.

Dichter und Geschäftsmann [Bearbeiten]

Shakespeare war nicht nur ein Dramatiker. Er versuchte sich (vermutlich als die Theater Londons wegen der Pest-Epidemien zeitweise schließen mussten) auch im epischen Gedicht und in der Lyrik, was seinen Ruhm bei seinen Zeitgenossen begründete. Wohl im Jahr 1593 schrieb er die beiden Verserzählungen Venus and Adonis und Lucrece, die seinem adeligen Gönner Henry Wriothesley, Earl of Southampton, zugeeignet sind. Auch ein Zyklus von 154 Sonetten erschien 1609. Diese Publikation ist von zahlreichen Rätseln umgeben. In einem kurzen Verleger-Vorspann, der meist als „Widmung“ gelesen wird, ist von „the only begetter“ und „Mr. W.H.“ die Rede; die Identität dieser Person ist bis heute nicht geklärt. Vielleicht handelt es sich bei dieser Sonetten-Publikation auch um einen Raubdruck.

London, Shakespeares Globe Theatre (Rekonstruktion)
Shakespeares Unterschrift unter dem Testament („Last Will“), 1616

Ab 1599 war Shakespeare Mitbesitzer des Londoner Globe Theatre, das seine Truppe als Nachfolger für das Theatre baute, als der Pachtvertrag ausgelaufen war. Die Lord Chamberlain’s Men benannten sich nach ihrem Mäzen und Sponsor, dem Lord Chamberlain, und sie waren auch am Hof der Königin Elisabeth gern gesehen. Später, unter Elisabeths Nachfolger Jakob I., durften sie sich sogar nach dem königlichen Gönner King’s Men nennen.

Als Schauspieler, Stückeschreiber, vor allem aber als kaufmännischer Teilhaber des Globe erwarb sich Shakespeare Vermögen und Einfluss. 1596 wurde seinem Vater John Shakespeare ein Familienwappen gewährt,[8][9] das er schon 1576 erfolglos beantragt hatte. 1597 kaufte Shakespeare sich das zweitgrößte Haus in seiner Geburtsstadt Stratford, New Place.

1596 erwarb der Theaterunternehmer James Burbage das Blackfriars Theatre, an dem sich später auch Shakespeare beteiligte, ein im Gegensatz zum Globe überdachtes Theater, in dem seine Truppe von nun an während der Wintermonate spielte. Das Publikum dort war wegen der erheblich höheren Eintrittspreise exklusiver als in den großen Freiluftbühnen.

Die letzten Jahre [Bearbeiten]

Mit 46 Jahren kehrte Shakespeare als reicher Mann nach Stratford zurück, und verbrachte dort seine letzten Lebensjahre, wobei er die Verbindungen zu seinen ehemaligen Kollegen nicht ganz abreißen ließ und bei einigen Theaterproduktionen als Mitautor beteiligt war. So sind für die Folgejahre mehrere Besuche in London dokumentiert, die meist familiäre und freundschaftliche Anlässe hatten.

Shakespeare starb im Alter von 52 Jahren im Jahr 1616 in Stratford und wurde in der Holy Trinity Church beigesetzt. Auf der Steinplatte, die sein Grab markiert, steht folgende Inschrift:

GOOD FREND FOR JESUS SAKE FORBEARE,
TO DIGG THE DVST ENCLOASED HEARE.
BLESTE BE THE MAN THAT SPARES THES STONES,
AND CVRST BE HE THAT MOVES MY BONES

Guter Freund, im Namen Jesu grabe nicht
den Staub auf, der hier eingeschlossen ist.
Gesegnet sei derjenige, der diese Steine achtet,
und verflucht der, der meine Gebeine bewegt.
Shakespeares Grabstätte in der Holy Trinity Church

Vermutlich kurz nach Shakespeares Tod wurde in der Seitenwand der Kirche eine Gedenkbüste mit einer lateinischen Inschrift von einer bis heute unbekannten Person errichtet.

Shakespeares ehemalige Theaterkollegen John Heminges und Henry Condell veröffentlichten seine Werke unter dem Titel Mr William Shakespeare’s Comedies, Histories and Tragedies in einem großformatigen Buch, First Folio. Dem Band ist ein Lobgedicht Ben Jonsons vorangestellt, in dem es heißt:

Triumph my Britain, thou hast one to show
To whom all scenes of Europe homage owe.
He was not of an age, but for all time! …

Triumphiere, mein Britannien, du hast einen (Menschen) vorzuzeigen,
dem alle Bühnen Europas huldigen,
er war nicht für eine Ära, sondern für alle Zeiten! …

Shakespeares Todesursache ist nicht unmittelbar bekannt. Etwa 50 Jahre nach Shakespeares Tod notierte jedoch John Ward, Vikar der Holy Trinity Church in Stratford, in seinem Tagebuch: „Shakespeare, Drayton und Ben Jonson hatten ein fröhliches Zusammentreffen und tranken dabei anscheinend zu viel; denn Shakespeare starb an einem Fieber, das er sich dabei zugezogen hatte.“ Diese Nachricht wird heute meist als unverbürgte Anekdote eingeschätzt; ihr wahrer Kern könnte jedoch darin liegen, dass in Shakespeares Todesjahr eine Typhus-Epidemie grassierte, so dass der Dichter dieser Krankheit zum Opfer gefallen sein könnte.

Shakespeare-Porträts [Bearbeiten]

Das Droeshout-Porträt.

Von Shakespeare sind einige Darstellungen und Portraits bekannt, die als authentisch angesehen werden. Diese Bilder wurden mit dem zunehmenden Ansehen des Dramatikers vielfach kopiert und dabei mehr oder minder stark abgewandelt. Auch wurden mehrere ungesicherte Werke bereits früh ohne ausreichende Indizien als Shakespeare-Porträts identifiziert.

Die einzigen beiden Porträts, deren Authentizität kaum bestritten wird, wenn sie auch erst postum angefertigt wurden, sind:

  • der Droeshout-Stich (1623), das Frontispiz der Titelseite der ersten Folio-Ausgabe. Er wurde vermutlich nach einer heute verlorenen Vorlage gestochen. Als Künstler gilt traditionell Martin Droeshout der Jüngere (* 1601), es wird seit Kurzem aber auch der ältere Martin Droeshout (1560-1642) genannt.[10]
  • das Grabmonument in der Holy Trinity Church, Stratford-upon-Avon (vor 1623).

Als wahrscheinlich authentisch gilt das möglicherweise sogar zu Lebzeiten des Dichters entstandene

  • Chandos-Porträt (von ca. 1594-1599). Der genaue Entstehungszeitpunkt ist unbekannt, der Maler war wahrscheinlich Joseph Taylor (1585-1651). Untersuchungen durch Kuratorin Tarnya Cooper haben 2006 gezeigt, dass das Bild aus Shakespeares Zeit stammt und tatsächlich den Dichter zeigen könnte.[11]

Kandidaten, über deren Authentizität kein breiterer Konsens vorliegt und die zum Teil sehr umstritten sind, sind u. a.:

  • das Sanders-Porträt, 2001 in Kanada entdeckt, ist nach Untersuchungen wahrscheinlich zu Shakespeares Lebzeiten gemalt worden[12])
  • das Cobbe-Porträt, 2006 bekannt gewordenm und 2009 der Öffentlichkeit vorgestellt wird von Stanley Wells und dem Shakespeare Birthplace Trust, Stratford-upon-Avon, als authentisch akzeptiert[13])
  • das Janssen-Porträt, vom selben Maler wie das Cobbe-Porträt, ist seit 1770 bekannt, restauriert 1988.

Als nicht authentisch gelten u. a.:

  • das Ashbourne-Porträt, aufbewahrt in der Folger Shakespeare Library in Washington D.C.
  • das Flower-Porträt von 1609; es gilt seit einer Untersuchung der National Portrait Gallery im Jahr 2004 als Fälschung des 19. Jahrhunderts.
  • die sog. Darmstädter Totenmaske, seit 1849 bekannt; die Authentizität wird nur von Hildegard Hammerschmidt-Hummel behauptet.
  • die Davenant-Büste (von ca. 1613, aus Terrakotta;die Authentizität wird ebenfalls nur von Hammerschmidt-Hummel behauptet)

Shakespeares Sprache [Bearbeiten]

Titelblatt der Erstausgabe 1609

Shakespeare war ein Virtuose seiner Sprache. 17.750 verschiedene Wörter zählt man in seinen Werken.[14] Charakteristisch für Shakespeare ist die stilistische Vielfältigkeit, die vom Niedrigsten bis zum Höchsten alle Register der Sprache gleichermaßen berücksichtigt.[15]

Zu Shakespeares Zeit war die Sprache grammatisch, orthographisch und in der Aussprache[16] noch nicht so fixiert wie es seit dem 18. Jahrhundert zunehmend der Fall ist. Es war viel eher als heute möglich, neue Wörter zu prägen, wenn sich die Notwendigkeit dazu ergab. Viele Wörter, die heute ganz alltäglich sind, sind zum ersten Mal in einem seiner Stücke belegt (zum Beispiel multitudinous, accommodation, premeditated, assassination, submerged, obscene). Der Eindruck, dass Shakespeare mehr neue Wörter erschaffen habe als jeder andere englische Dichter, geht aber zum Teil darauf zurück, dass das im 19. Jahrhundert entstandene Oxford English Dictionary mit Vorliebe Shakespearezitate als Erstbelege angab.

Urheberschaft seiner Werke [Bearbeiten]

In der wissenschaftlichen Shakespeareforschung herrscht allgemein und so gut wie ausnahmslos die Auffassung, dass Zweifel an Shakespeares Autorschaft als grundlos anzusehen sind. Die anhaltende Urheberschaftsdebatte um William Shakespeare rührt daher, dass seit mehr als 150 Jahren immer wieder Forscher auftreten, die außerhalb der akademisch institutionalisierten Shakespeareforschung stehen und die die Zuschreibung der unter Shakespeares Namen überlieferten Werke anzweifeln.[17] Innerhalb der internationalen akademischen Shakespeare-Forschung wird diese Autorschaftsfrage dagegen nicht als legitimes Forschungsthema angesehen.[18] Zwei führende Shakespeare-Forscher, Stephen Greenblatt[19] und Brian Vickers [20], vertreten die Auffassung, die Leugnung von Shakespeares Autorschaft an seinen Werken sei in methodischer Hinsicht ebenso pseudowissenschaftlich wie der Kreationismus und die Leugnung des Holocaust. Dagegen stehen Kritiken anerkannter Shakespeare-Forscher an der Weigerung der akademischen Literaturwissenschaft, mit außerakademischen Forschern auf gleicher Augenhöhe zu diskutieren.[21]

Hintergrund der Autorschaftsdebatten bei vielen der sog. „Antistratfordianer“ ist die Auffassung, der Dichter der Shakespeare’schen Werke könne kein einfacher Mann von geringer Bildung aus der Provinz gewesen sein. Dabei war die Grammar School in Stratford, die Shakespeare wahrscheinlich besucht hat, keine zweitklassige Ausbildungsstätte. Die Schüler wurden intensiv im Lateinischen und in geringerem Maß auch im Griechischen unterrichtet und schrieben schon während der Schulzeit kleine Dramen nach dem Muster der klassischen Stücke, die übersetzt und analysiert wurden; eine bessere Schulausbildung für einen Autor gab es gar nicht. Allerdings hat Shakespeare, anders als einige andere zeitgenössischen englischen Dramatiker, keine Universität besucht und hielt sich anders als jene auch nicht an klassizistische Regeln, weswegen seine Werke lange Zeit als ungebildet galten.[22] Ein weiteres Argument ist, dass es – bei Autoren des sechzehnten Jahrhunderts allerdings keine Ausnahme – keine Original-Handschriften von Shakespeare gibt, sieht man von ein paar Unterschriften und dem umstrittenen Manuskript des Stücks Sir Thomas More ab.

Die Urheberschaftsdiskussion um die „wahre“ Verfasserschaft beginnt mit Delia Bacon. In ihrem Buch The Philosophy of Shakespeare’s Plays (1857) entwickelt die mit Francis Bacon nur zufällig namensgleiche Autorin die Hypothese, dass sich hinter den Shakespearestücken eine Gruppe von Dichtern/Schriftstellern mit Francis Bacon, Sir Walter Raleigh und Edmund Spenser verbarg. Ihre Publikation löste eine ganze Welle von Spekulationen aus, bei denen bis heute immer neue mögliche Kandidaten ins Spiel gebracht werden.[23]

Unter den zahlreichen Personen, die als mögliche Verfasser ins Feld geführt worden sind, sind Francis Bacon, William Stanley und Edward de Vere die bislang meistgenannten. Daneben spielt auch Christopher Marlowe eine gewisse Rolle (siehe Marlowe-Theorie).

Im neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert haben auch bekannte und angesehene Personen, unter den deutschsprachigen etwa Sigmund Freud und Georg Cantor, im Sinn der "Antistratfordianer" zu der Debatte Stellung genommen.

Rezeption in Deutschland [Bearbeiten]

Shakespeare-Denkmal in Weimar
Denkmal in Weimar vor einer Ruinenkulisse als Zeichen für die Vergänglichkeit

In Deutschland hat die Shakespeare-Rezeption eine ereignisreiche Geschichte, in der der Dichter für die verschiedensten Interessen in Dienst genommen wurde.

Von großer Bedeutung war Shakespeare für die Literaturtheorie der Aufklärung bei Gotthold Ephraim Lessing (im 17. Literaturbrief 1759), für die Dramatiker des Sturm und Drang etwa bei Heinrich Wilhelm von Gerstenberg (Briefe über Merckwürdigkeiten der Litteratur<, 1766/67), bei Jakob Michael Reinhold Lenz (Anmerkungen übers Theater, 1774), bei Johann Gottfried Herder (Von deutscher Art und Kunst, 1773) und bei Johann Wolfgang von Goethe (Rede zum Schäkespears Tag, 1771), selbst noch bei dem literarischen Laien aber desto begeisterteren Ulrich Bräker (Etwas über William Shakespears Schauspiele von einem armen ungelehrten weltbürger, der das glück genoß, denselben zu lesen. Anno 1780); jedoch ebenso für die deutsche Romantik, vor allem bei August Wilhelm von Schlegel (Wiener Vorlesungen über dramatische Kunst und Literatur 1809-1811) und für die Dramentheorie des 19. Jahrhunderts. Der im frühen 18. Jahrhundert einflussreiche Theoretiker Johann Christoph Gottsched, der dem französischen Klassizismus des 17. Jahrhunderts verpflichtet war und sich damit u. a. an den drei Aristotelischen Einheiten der französischen Dramentheorie orientierte, hatte sich noch, wie Voltaire vor ihm, recht abfällig über Shakespeare geäußert. In der zweiten Jahrhunderthälfte aber wurde Shakespeare für die Dramentheoretiker der Spätaufklärung und des Sturm und Drang zum Prototyp des Genies und blieb im Urteil der Theaterdichter unerreichter „Stern der höchsten Höhe“ (Goethe) bis in unsere Gegenwart.

Zu den Besonderheiten der deutschen Shakespeare-Rezeption seit der Romantik gehört die Auffassung, die Deutschen hätten eine besondere Affinität zu Shakespeare, sein Werk stehe der deutschen Seele näher als der englischen. Im Zuge des deutschen Nationalismus des neunzehnten Jahrhunderts wurde Shakespeare dadurch als „dritter deutscher Klassiker“ neben Goethe und Schiller beansprucht (Wilhelm Jordan). Die Beschäftigung mit Shakespeare und die Popularisierung seines Werkes fand in der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft, die im Jahr 1864 eher von Enthusiasten als von Fach-Philologen gegründet wurde, ihre institutionelle Verankerung.

Unübersehbar ist die Zahl der (oft eigens für einzelne Inszenierungen angefertigten) Eindeutschungen Shakespeares seit über 250 Jahren. Bekannte Übertragungen der Dramen sind die Ausgaben von Christoph Martin Wieland und von Johann Joachim Eschenburg (beide in Zürich erschienen) sowie von Gabriel Eckert (der die Wieland/Eschenburgischen Texte im sog. „Mannheimer Shakespeare“ revidierte), von Eduard Wilhelm Sievers, diejenige von Johann Heinrich Voß und seiner Söhne Heinrich und Abraham, die Schlegel-Tieck-Ausgabe von (August Wilhelm von Schlegel, Wolf von Baudissin, Ludwig Tieck und dessen Tochter Dorothea Tieck) sowie in älterer Zeit die Übersetzungen einzelner Stücke von Friedrich von Schiller und Theodor Fontane, in neuerer Zeit die Gesamtübersetzungen von Erich Fried und Frank Günther. Neuere Übersetzungen, die Aufsehen erregten, waren z. B. die Übertragungen einzelner Schauspiele durch Thomas Brasch und Peter Handke.

In den letzten Jahren hat sich die Shakespeare-Übersetzertätigkeit besonders auf die Sonette konzentriert, an denen sich bereits seit dem achtzehnten Jahrhundert viele Schriftsteller versucht haben und von denen in kurzen zeitlichen Abständen immer neue Versionen erscheinen.

Werke [Bearbeiten]

Shakespeare war in erster Linie Dramatiker, verfasste daneben aber auch zwei versepische Werke sowie Sonette. Der erste Versuch einer Gesamtausgabe seiner Theaterwerke erschien postum in Mr. William Shakespeare’s Comedies, Histories and Tragedies, der sogenannten Folio-Ausgabe. Diese enthält 36 Dramen, darunter 18 zuvor unpublizierte, ein Vorwort der Herausgeber sowie Lob- und Widmungsgedichte. Die üblicherweise angegebene Zahl seiner (erhaltenen) Dramen beläuft sich auf 38.

Nicht erhalten ist das im Jahr 1612 aufgeführte Drama Cardenio. Ebenfalls nicht mitgezählt wird die Mitarbeit an Sir Henry More, das von mehreren Autoren verfasst worden ist, Shakespeares Teilnahme ist aber in neuerer Zeit wieder in Zweifel gezogen worden.[24] Eine Reihe von Dramen wurden Shakespeare seit der dritten Folio-Ausgabe (1662) zugeschrieben. Abgesehen von Pericles, das als authentisches Werk akzeptiert wird, das Shakespeare zusammen mit einem anderen Autor schrieb, gelten diese als „Apokryphen” bezeichneten Stücke schon lange nicht mehr als Kandidaten für die Aufnahme unter die echten Werke Shakespeares.[25] In der Forschungsdiskussion werden laufend Zu- und Abschreibungen weiterer Werke erwogen, sowie die Zusammenarbeit anderer Autoren an seinen Werken bzw. die Kollaboration Shakespeares bei den Werken anderer Autoren diskutiert.[26] Die jüngsten vorgeschlagenen Zuschreibungen betreffen Edward III und Double Falshood [sic] or The Distrest Lovers'. Bei Edward III (gedruckt 1596) wird Shakespeares Ko-Autorschaft angenommen (u. a. von Brian Vickers); das Drama wurde in die jüngste Ausgabe von "The Norton Shakespeare" und in die zweite Auflage des "Oxford Shakespeare" aufgenommen. Double Falshood, dessen Autorschaft bereits seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts kontrovers diskutiert wird, wurde 2010 Teil der Arden-Edition der Werke Shakespeares.